Zur Klarstellung: Ich halte nichts von der Hyperscaler-Romantik. AWS, Azure, GCP – meistens überteuert, meistens overengineered, und meistens kauft man Komplexität die man nicht braucht. Wer seine Infrastruktur kennt und weiss was er tut, fährt mit eigener Hardware in den meisten Fällen günstiger, schneller und mit mehr Kontrolle.
Aber es gibt zwei Dinge die mir noch mehr auf die Eier gehen als Hyperscaler. Und für genau diese zwei Fälle ist AWS die richtige Antwort.
Du registrierst eine Domain und wirst sofort mit einem Upsell bombardiert: „Erstellen Sie jetzt Ihre Website! Ab CHF 12.90/Monat!" Drag-and-Drop-Editor. 47 Themes. Integrierter Onlineshop. SEO-Optimierung inklusive. Alles was ein Unternehmen braucht um eine Website zu bauen die genauso aussieht wie jede andere.
Die Zielgruppe: der Marketing-Beauftragte, der sich um das Bescheuertste im Unternehmen kümmert. Die Homepage. Das Ding das niemand liest. Das Ding das existiert weil es existieren muss. Das Ding bei dem man jährlich CHF 150 an einen Registrar zahlt damit ein Webbaukasten-Template mit dem Firmenlogo drauf im Netz hängt.
Nehmen wir an jemand hackt die Firmenwebsite. Was passiert? Im schlimmsten Fall steht da „H4CK3D BY ANONYMOUS" drauf. Imageschaden, unangenehmes Meeting mit der Geschäftsleitung, Website wird restored, fertig. Die Kundendaten sind nicht dort. Die internen Systeme sind nicht dort. Es ist eine HTML-Seite.
Jetzt stell dir vor das Teil läuft im eigenen Netz. Auf demselben Segment wie die Server, die NAS, die Buchhaltungssoftware. Aus einem Imageschaden wird ein potenzieller Einstiegspunkt ins Unternehmensnetz. Wegen einer Homepage die niemand liest.
Gleiches gilt für Hostingprovider: auch dort will man die eigene Firmenwebsite nicht haben. Shared Hosting, geteilte Ressourcen, Nachbarschaft mit tausend anderen Sites – kein Mensch weiss was auf demselben Server sonst noch läuft.
Die Website gehört irgendwo hin wo es scheissegal ist wenn ein Meteorit einschlägt – oder ein Script-Kiddie. Irgendwo wo kein Mensch nachts aufwacht und sich fragt ob die Kiste noch läuft. AWS ist dafür nicht weil es toll ist, sondern weil es egal ist. Maximale Isolation, minimale Konsequenzen im Worst Case.
Wordpress ist die meistgehackte Software im Web. Nicht weil der Code per se so schlimm ist, sondern weil es überall läuft und die meisten Instanzen seit Jahren nicht mehr geupdated wurden. Plugins mit bekannten CVEs. Themes von 2016. PHP das läuft obwohl niemand mehr weiss warum. Eine MySQL-Datenbank die mitschleppt obwohl die Seite komplett statisch sein könnte.
Für eine Unternehmenswebsite mit 5 Seiten, einem Kontaktformular und dem obligatorischen Team-Foto braucht es kein CMS, keine Datenbank, kein PHP. Es braucht HTML. Und einen Webserver der das ausliefert. Das war's. Kein Angriffspotenzial, keine Dependencies, keine Updates die man vergisst. Eine Datei. nginx. Done.
S3 Static Hosting kostet fast nichts und wäre theoretisch noch simpler. Aber: kein SSH, kein nginx, kein direkter Zugriff. Sobald du HTTPS willst brauchst du CloudFront davor, dann ACM für Zertifikate, dann Route 53 für DNS – und plötzlich hast du drei AWS-Services für eine HTML-Seite. Für Leute die Linux kennen: nimm EC2, eine Kiste, nginx drauf, fertig. Mehr Kontrolle, weniger AWS-Voodoo.
eu-central-1 (Frankfurt) oder eu-central-2 (Zürich). Sonst startest du aus Versehen was in Virginia und wunderst dich über Latenz.webserverOhne Elastic IP bekommt die Instanz bei jedem Neustart eine neue Public IP. Dein DNS-Record stimmt dann nicht mehr. Elastic IP ist fix und kostet nix solange die Instanz läuft.
ssh -i deinkey.pem ubuntu@DEINE-ELASTIC-IP
# Windows mit PuTTY: .pem → .ppk via PuTTYgen konvertieren
# Host: ubuntu@IP | Port: 22 | Auth: .ppk file
Username ist immer ubuntu bei Ubuntu AMIs. Nicht root, nicht admin, nicht dein Name.
sudo apt update && sudo apt install -y nginx
sudo systemctl status nginx
# → active (running)
# Deine index.html nach /var/www/html/ schmeissen, fertig.
SSL via certbot kommt im nächsten Post. Dauert 2 Minuten und ist gratis. Kein Grund mehr für „wir haben noch kein HTTPS weil das zu teuer ist".